Made in Europe als BYDs Europa Strategie

Geboren in China, aber bald in Europa gebaut: Schon im kommenden Jahr nimmt das erste Pkw-Werk von BYD in der EU seinen Betrieb auf. Die Nähe zu Österreich wird sich auch für die heimische Zuliefer-Sparte bezahlt machen.
BYD Auto wird international. Trotz des immens schnellen Wachstums verfolgt das Unter-nehmen einen nachhaltigen Aufbauplan. Dazu gehört, auf den jeweiligen Märkten möglichst flexibel zu fertigen und die kurzen Versorgungsketten ebenso zu nutzen wie auch die Vorteile direkterer Auslieferung. Mit dem steigenden Erfolg der Marke greift diese Strategie nun auch in Europa.
Das sind positive Vorzeichen, die uns selbstbewusst in die Zukunft blicken lassen.
Danijel Dzihic, Managing Director BYD Österreich
2023 erfolgte der Spatenstich für das erste Pkw-Werk von BYD innerhalb der EU. Es entsteht im ungarischen Szeged, nur rund 300 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Gefertigt werden dort bald Autos und Akkus, bereits 2025 wird der erste BYD Made in Europe vom Band laufen. „BYD ist nach Europa gekommen, um in Europa zu bleiben. Und um in Europa für Europa zu designen und zu entwickeln sowie in Europa für Europa zu produzieren“, bestätigt Brian Yang, Assistant Managing Director von BYD Europe, das Konzern-Engagement.
Win-win-Situation. Warum, werden sich viele fragen, gibt BYD den Vorteil der günstigeren Produktion in China auf? Und Made in Europe gut und schön, aber werden die Autos dann nicht womöglich teurer? Beides lässt sich leicht beantworten. Den geringen Kosten in China steht der hohe Transport-Aufwand nach Europa gegenüber. Für manche, vor allem die Premium-Modelle, ist er im Kundenpreis kalkulierbar, bei anderen ist sein Anteil dagegen verhältnismäßig hoch. Es ist also durchaus sinnvoll, Autos lokal zu produzieren und zu vertreiben, auch wenn die Herstellung selbst etwas teurer ist als in Asien. Die Kundenpreise werden dadurch jedenfalls nicht steigen. Der Startschuss zum Bau einer europäischen Fabrik fiel übrigens schon lang vor der bedauerlichen Entscheidung der europäischen Kommission zur Einführung von Sonderzöllen für chinesische E-Autos. Sie werden damit für BYD allerdings weitgehend bedeutungslos.
Standort-Wahl. Es gibt viele Gründe, warum das erste Pkw-Werk von BYD in Ungarn errichtet wird. Zunächst ist der Konzern in unserem Nachbarland bereits vertreten: In Komárom werden schon seit 2016 Batterien und elektrische Busse gebaut. BYD hat also bereits Erfahrung mit den ungarischen Partnern und weitet die Kooperation nun aus.
BYD ist nach Europa gekommen, um in Europa zu bleiben.
Brian Yang, Assistant Managing Director BYD Europe
Dazu bietet die ehemalige k. u. k. Regional-Hauptstadt Szeged einen weiteren nicht zu unterschätzenden Vorteil – abgesehen von der schmackhaften kulinarischen Tradition des Kraut-Gulaschs: Eine der größten technisch-wirtschaftlichen Schulen Ungarns ist dort beheimatet, etwa vergleichbar mit einer HTL in Österreich. Um die wertvolle Ressource der Absolventen verschiedenster Fachrichtungen will BYD künftig mit attraktiven Jobs in Entwicklung und Produktion werben. In der ersten Ausbaustufe soll das Werk eine Jahreskapazität von mindestens 150.000 Autos erreichen und Arbeitsplätze für mehrere tausend Menschen bieten.
Österreich an Bord. Der Ruf der starken und hochwertigen österreichischen Zulieferindustrie für die Automobil-Fertigung ist bis nach China vorgedrungen. 2023 hat diese Branche mit rund 900 führenden Unternehmen an die 30 Milliarden Euro erwirtschaftet und stellt in Österreich über 81.000 Jobs. Im Juli 2024 hat BYD in Wien daher zu einer Supplier-Konferenz geladen. Die Vertreter von rund drei Dutzend österreichischen Unternehmen führten dabei direkte Gespräche mit Spitzen des BYD-Managements – mit sehr konkreten Ergebnissen und der Ankündigung, dass schon in Kürze entsprechende Entscheidungen zu erwarten sind. „Das sind positive Vorzeichen, die uns selbstbewusst in die Zukunft blicken lassen“, fasst Gastgeber und BYD Österreich-Chef Danijel Dzihic das erfreuliche Ergebnis der Gespräche zusammen. Auch BYD Europa-Chef Brian Yang findet erneut klare Worte: „BYD möchte eine lokal verwurzelte europäische Marke werden. Die österreichische Automobilzulieferindustrie ist äußerst professionell und zählt in vielen Bereichen zu den innovativsten der Welt. Genau solche Partner suchen wir, weil wir als weltweite Nummer eins bei New Energy Vehicles nur mit den besten zusammenarbeiten wollen.“
Bereits 2025 wird der erste BYD Made in Europe vom Band laufen.
Stella Li, Vice President von BYD und oberste Europa-Managerin, ergänzte bei ihrer Keynote-Speech bei einem Event in Wien, dass BYD sowohl mit Magna, AVL als auch mit Voestalpine gute Gespräche führe. Sie betonte außerdem, dass bereits seit Jahren einige heimische Supplier BYD aus ihren chinesischen Werken beliefern.
Die österreichische Automobilzulieferindustrie ist äußerst professionell und zählt in vielen Bereichen
zu den innovativsten der Welt.
Brian Yang, Assistant Managing Director BYD Europe
Das Europa-Commitment von BYD ist folglich authentisch und einzigartig. Daraus könnte sich bereits mittelfristig eine Win-win-Situation für Industrie und BYD ergeben.n











