Shenzen: Die Perle am Perlenfluss

Shenzhen ist viel mehr als nur die Heimatstadt von BYD. Bei einer Reise in die junge Metropole am Delta des Perlenflusses gibt es viel zu entdecken.
Wo heute die Millionen-Stadt Shezhen liegt, gab es vor 45 Jahren noch … nun ja, nichts wäre untertrieben, aber viel mehr als ein Fischerdorf mit etwas Ackerland herum war es nicht. Die Einrichtung der ersten Sonderwirtschaftszone in direkter Nachbarschaft zu Hongkong hat daraus seit 1979 eine der boomendsten Metropolen der Welt werden lassen. Inzwischen dürfte die Bevölkerungszahl die 20 Millionen-Grenze überschritten haben. Dennoch ist den wenigsten Menschen in Europa auch nur der Name der Stadt bekannt. Grund genug, sie ein wenig vorzustellen.
Wasser verbindet. Shenzehn liegt an der weitläufigen Mündung des Zhu Jiang, auch bekannt als Perlfluss, ins Südchinesische Meer. Zu Hongkong gibt es zwei weitere große Grenzflüsse. Wasser ist hier also ein großes Thema, selbst der Name hat einen Bezug zum flüssigem Element: Er bedeutet so viel wie „Tiefer Wassergraben”, eine Referenz an die Urbar-machung des Landes in früherer Zeit. Auch im modernen urbanen Leben hat das lebensspendende Element seinen fixen Platz: Shenzhen ist eine auffallend grüne Stadt mit über 3.000 Parks, die meisten davon mit Brunnen und/oder Teichen angelegt.
Shenzhen ist eine auffallend grüne Stadt mit über 3.000 Parks.
Tropisches Klima. Die Jahres-Durchschnittstemperatur in Shenzhen liegt mit 22,4 Grad gut 10 Grad höher als in Wien. Was vor allem bei den Bewohnerinnen der Stadt nicht ausschließlich für Freude sorgt. Sie fänden es schick, auch einmal stylische Daunenjacken zu tragen – es macht bei diesen Temperaturen nur keinen Sinn, sich welche zuzulegen. Für Europäer sind Frühling und Herbst die idealen Reisezeiten, in den heißen Sommer-monaten regnet es oft ausgiebig.
Weite Strecken, kurzer Takt. Wer Shenzhen bereist, wird zu Beginn von den Distanzen gefordert, die es innerhalb der Stadt zurückzulegen gilt. Die Fläche beträgt etwa das Fünffache derer Wiens, einzelne Viertel werden durch Hügel wie Lotus Hill, Mount Bijia und Mount Wutong getrennt. Noch relativ neu ist das U-Bahn-Netz, ergänzt wird es durch eine Flotte von knapp 17.000 öffentlichen Bussen – elektrisch und natürlich von BYD. Der Verkehr fließt durchwegs gut, denn Shenzhen bewegt sich trotz seiner Größe in kurzem Takt, niemand steht oder blockiert, alles fließt. Der Herzschlag einer pulsierenden Stadt, die tatsächlich niemals schläft, auch wenn das bei ihr noch niemand besungen hat.
Eine pulsierende Stadt, die tatsächlich niemals schläft, auch wenn das bei ihr noch niemand besungen hat.
Entdeckungsreise. Imposant ragt die Skyline von Nanshan in den Himmel – dieser Teil Shenzhens entspricht in etwa dem, was in den USA das Silicon Valley ist – und präsentiert diesen Stellenwert auch mit seiner aufsehenerregenden Architektur. Wer es lieber etwas beschaulicher hat, wird das „Künstlerdorf” Dafen im Bezirk Longgang schätzen: Hier leben und arbeiten etwa 12.000 Maler. Viele widmen sich eigener Kunst, der Großteil aber dem eigenhändigen Kopieren europäischer Meister. Rund fünf Millionen Gemälde werden hier jährlich angefertigt – etwa die Hälfte der Weltproduktion. Naturliebhaber werden die im Flussdelta gelegene Insel Nei Lingding Dao mit ihrem tropischen Wald und der Makaken-Population vorziehe. Auch dafür ist in der Metropole Shenzhen Platz.











